Kinderyoga – so herrlich unPERFEKT !

Der Weg zur perfekten Kinderyogastunde

 

Wer kennt das nicht – da kommt man frisch von der Weiterbildung, ist bis über beide Ohren hochmotiviert und kann es überhaupt nicht abwarten, am nächsten Tag direkt loszulegen!

Schließlich hat man ja in der Ausbildung alles notwendige Rüstzeug mitbekommen

  • gute Gründe für Kinderyoga
  • etwas Pädagogik
  • Theorie (Vertiefung) zum Thema Yoga
  • den Stundenablauf
  • Spiele zu Atem, Entspannung und Asanas
  • verschiedene Stundenbilder
  • Tipps und Tricks

 

Was soll da noch schief gehen?

 

…und dann startest du endlich deinen Yogakurs für Kinder – und irgendwie läuft anders als geplant! Nicht immer – aber immer wieder!

 

Denn: Theorie und Praxis liegen weiiiiiiit auseinander…..! 😉  !

Man kennt sich doch aus in der Arbeit mit Kindern…  😆

Natürlich wusste ich als Mutter und durch meine Arbeit im Kindergarten, das bei geplanten Angeboten oder Stunden nicht immer alles rund läuft! Aber das sich der Ablauf mancher Kursstunden so sehr vom Geplanten unterscheidet – das war mir überhaupt nicht klar und ist auch während der Ausbildung so nie zur Sprache gekommen.

Klar wurde gesagt: jedes Kind ist anders! Das die Kursleitung flexibel auf Kinder und Tagesform eingehen muss….!

Ach, und wenn man im Netz von den Erfahrungsberichten und durchgeführten Stunden liest ist immer alles wun-der-bar gelaufen – eine Bereicherung für Kinder und Yogalehrer.

Ja – eine Bereicherung waren die Störenfriede in meinen Kursen für mich auch. Sie machten mir meine eigenen Grenzen deutlich – und die Grenze der 1-zu-1 Durchführung von geplanten Stundenbildern.

 

Was heißt Störenfriede – natürlich ist das das falsche Wort! Du weißt was ich meine: Kinder, die schon in der Begrüßungsrunde den anderen immer wieder ins Wort fallen und dazwischen quatschen. Die bei jedem Aufwärmspiel Kommentare wie „ oh nöh – voll Blöd!“ abgeben. Die, die sich permanent weigern, die Asanas mitzumachen. Die lieber die ganze Zeit durch den Raum toben. Die bei der End-Entspannung quatschen, kichern, mit den Matten ruscheln oder in wirklich ruhigen Momenten ein „Ich muss auf Klo!“ verlauten lassen – und du weißt: wenn einer muss, müssen ja plötzlich alle. (seufz)

Oder mein schlimmstes Erlebnis in einem neuen Teenie-Kurs:

KEINER machte mit! KEINER bekam die Zähne auseinander! Sie verweigerten wirklich alles: vom Aufwärmen über das Kennenlernspiel hin zu den Asanas und der Endentspannung! Von den Begrüßungs- und Abschiedsrunden gar nicht zu reden …! Ich habe an dem Nachmittag den Alleinunterhalter gegeben und wollte nach der Stunde wirklich alles hinschmeißen! Aaarghh – ich dachte nur: verdammt – warum läuft es bei anderen immer rosig und ich bin die einzige, die es nicht gebacken kriegt? Habe ich nicht richtig aufgepasst? Habe ich etwas falsch verstanden? Habe ich den falschen Job? Bin ich schlichtweg einfach zu dumm, Kinder im Yoga zu unterrichten?

Doch wie schon geschrieben – ich bin gewachsen an diesen Stunden ….. an diesen Kindern!

Was das heißt?

Ich arbeite keine kompletten Stundenbilder mehr aus – du kannst es dir hier ansehen! Ich habe Ideen im Kopf, notiere mir die in einer Exceltabelle, nehme alle notwendigen Utensilien dafür mit – und schaue, was daraus wird. Keine Zeitangabe – kein Muss – nur ein Kann!

So gibt es Stunden, da ist das Begrüßungsritual mit den Gesprächen unendlich lang! Etwas Aufregendes und Wichtiges ist im Leben der Kinder passiert und braucht Gehör!

Oder da Aufwärmspiel ist genau DAS, was die Kinder an einem Regentag am nötigsten brauchen – auspowern im Spiel! Vielleicht ist der Teil mit den Asanas heute viel zu kurz gekommen – ist das schlimm? Die End-Entspannung verlief anders als gewünscht – aber die Kinder sind glücklich …. und trotzdem entspannt.

 

Ja – ganz oft denke ich nach einer Kurseinheit: War das überhaupt eine Yogastunde? Oder war es mehr eine Kinder-Spiel-/Tobe-/Bastelstunde? Darf ich das Ganze überhaupt noch Kinderyoga nennen? Bin ich damit nicht eine Schande für alle wirklichen Kinderyogalehrer?

Doch je weiter ich von meinen festgesetzten Planungen abrücke und die gelaufene Stunde vor meinem Auge vorbei laufen lasse muss ich feststellen: JA – das war Yoga!

Ich habe die Kinder den Augenblick spüren lassen – das, was sie anscheinend am nötigsten brauchten. Sie haben trotzdem unter meiner Anleitung so viele neue Erfahrungen gemacht, die sie ohne mich nicht hätten machen können. Sie haben nach dem Namasté den Raum glücklicher und entspannter verlassen, als wie sie gekommen sind. JA – das war eine Yogastunde.

…und die verkorkste Teeniestunde damals? Ich hatte Glück – alle waren in der 2. Stunde wieder dabei! Hier habe ich genau andersherum gehandelt – alle Spiele, jeden Schnickschnack weggelassen! Habe die Teens wie kleine Erwachsene behandelt – und auch die Stunde so durchgeführt! Und siehe da – sie bekamen den Mund auf! Sie lobten die Asanas und gleichzeitig jammerten, wie anstrengend es wäre J ! Gemeinsam haben wir dann besprochen, was sie gerne  in ihrer Teeniestunde haben wollten! Eine Kombination war das Ergebnis: Toben und Spielen zum Aufwärmen (wie bei den Kleinen) und eine Fantasiereise zur Entspannung! Aber Atmen und Körperübungen wie im Erwachsenenkurs!

Ich bin so dankbar für jede Stunde, die anders läuft als geplant! Denn genau diese Stunden sind es, die Sorge tragen, das ich mich weiter entwickle und nicht auf der Stelle trete!

 

Und das Fazit dieser Geschichte?

Es gibt keine perfekte Kinderyogastunde! Oder anders gesagt: die Kindeyogastunde war dann perfekt, wenn fröhliche Kinder den Raum verlassen und im Rausgehen rufen: „Tschüss, bis nächste Woche 😀  !“

Inzwischen bilde ich selbst Kursleiter für Kinderyoga aus. Es ist mir immer wieder wichtig darauf hinzuweisen:

Dein Stundenbild, egal ob ausführlich oder nur in Stichpunkten, ist eine rote Schnur, an der du dich langhangeln kannst. Nichts muss – alles kann! Und alles ist gut, so wie es ist!

 

In diesem Sinne: rück‘ ab vom perfekten Stundenbild – und deine Kursstunden werden um einiges entspannter! Für ALLE!

Ich wünsche dir viel Spaß dabei!

 

…bleib kraftvoll – und entspannt!

Kerstin

NAMASTÉ

REPOST: Diesen Artikel hast du vielleicht schon einmal bei Pünktchenyoga gelesen  😉 !

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